„Grüne Hölle“ Nürburgring macht ihrem Namen alle Ehre
Christian Leutheuser von Audi-Werksfahrer Abt brutal abgeschossen -2 mal Platz 3-
Sie verwiesen die BMW-Werksmannschaft, die als Titelverteidiger ins Rennen gegangen waren, mit einem Vorsprung von 4:23,792 Minuten auf Platz 2.
Das Manthey Team legte den Grundstein für den Sieg in der Nacht, als sie sich mit einer Serie konstant schneller Runden von ihren Konkurrenten absetzen konnten.
Jörg Müller, Augusto Farfus, Uwe Alzen und Pedro Lamy starteten in einem spannungsgeladenen Verlauf eine furiose Aufholjagd. Nahezu 2 Runden machten sie gut, so dass sie trotz der kappen Niederlage hoch zufrieden waren, ebenso wie ihr scheidender Motorsportchef Dr. Mario Theissen.
Wieder als nicht siegtauglich erwies sich das Audi-Team. Mit über einer Runde Rückstand auf den Sieger komplettierten Marc Basseng, Marcel Fässler, Andrea Piccini und Frank Stippler auf ihrem Audi R8 LMS des Phoenix-Teams das Podium.
Besondere Beachtung der fränkischen Fans fand der tolle 4. Gesamtrang des Kulmbacher Christopher Haase, im zweiten Phoenix Audi R8. Die restliche Audi-Truppe fuhr hinterher.
Ebenso enttäuschend verlief der Einsatz von Mercedes. Der bestplatzierte Mercedes-Benz SLS AMG GT3 vom Black Falcon Team, erreichte mit drei Runden Rückstand Platz 6.
Eine wahre Hölle durchlebte das für den MSC Rhön startende Team Lingmann aus Bad Königshofen. Mit vier Autos angetreten, lief in der ersten Trainingssitzung alles reibungslos. Plötzlich die Schreckensnachricht: „Christian steht mit dem neuen 1er nach einem Unfall an der Strecke“. Das Rätsel war schnell gelüftet, denn der Audi-Werksfahrer Abt erschien zu einem Interview auf dem Bildschirm und behauptete rotzfrech: „Der Leutheuser im Lingmann-BMW hat mich abgeschossen“ und bejammerte seinen missglückten Trainingsauftakt. Kurz darauf stürmte ein Teilnehmer in die Lingmann-Box und zeigte auf seinem Laptop die Aufnahmen seiner Inbordkamera. Da er unmittelbar hinter den Unfallautos war, konnte man lupenrein sehen, dass Abt den Lingmann-BMW mit einem rüden Foul von der Strecke katapultierte. Abt, auf seine unwahre Darstellung angesprochen, erwiderte voller Arroganz: „Was wollt ihr denn, ich fahre schließlich Qualifying“. Herr Abt hatte offensichtlich einen Realitätsverlust. Er war im ersten Zeittraining für ein 24h-Langstreckenrennen unterwegs. Da sind die faulen Tricks, der er aus der DTM mitbringt, völlig fehl am Platz, da die Nordschleife über so gut wie keine Auslaufzonen verfügt und die Fahrer bei solch hirnrissigen Aktionen höchst gefährdet sind.
Die ganze Nacht und den nächsten Tag bis Mittag schraubten und richteten die Lingmann-Mechaniker bis zum Umfallen. BMW Motorsport half bei der Ersatzbeschaffung für den komplett zerstörten Vorderachsträger. Dieser konnte schließlich per Kurier aus Ingolstadt herangeholt werden. Die Hinterachse die ebenfalls zerstört wurde, konnte durch eine Serienachse ersetzt werden, wobei man sich im Klaren war, dass das Auto keinesfalls mit dem Potential auf die Strecke zurück geschickt werden kann, mit dem es begonnen hatte.
Beim zweiten Pflichttraining drehten Christian Leutheuser, Wolfgang Kudrass, Hubert Nacken und Ulli Packeisen nur noch ihre Pflichtrunden, damit die Qualifikation gesichert war.
Keine Sorgen musste man sich um den SP6 (Spezialfahrzeuge bis 3500 ccm) der Franzosen Pierre de Thoisy, Thierry Depoix und Philippe Haezebrouck machen. Sie erledigten ihre Trainingssitzungen souverän und mit der gewohnten Zuverlässigkeit und Konstanz.
Der zweite SP5 (Spezialfahrzeuge bis 3000 ccm) mit den Österreichern Richard Purtscher, Johannes Huber und Constantin Kletzer, sowie dem Herner Ingo Tepel ließen mit ihren Trainingsleistungen aufhorchen.
Das französisch-deutsche Team im BMW M3 der Klasse V6 (seriennahe Fahrzeuge bis 3500 ccm) mit René Wolf, Pascal Bour, Fabrice Reicher und Harald Rettich fuhr im Mittelfeld ganz gut mit.
Startfahrer im 1er war Wolfgang Kudrass, der mit Ruhe und Routine das Auto aus den anfänglichen Zweikämpfen heraushalten sollte, damit man mit möglichst wenig Standzeit sich weit vorne ansiedeln konnte.
Den Sp6 übernahm Philippe Haezebrouck, den zweiten Sp5 Johannes Huber, während René Wolf den V6 übernahm.
Vom Start kamen alle Lingmann-Autos gut weg. Als die Mechaniker gerade in die Ruhephase nach geglücktem Start eintreten wollten, erschienen gleichzeitig, noch in Runde 1, der SP6 mit defekter Kardanwelle und der 1er mit undichter Bremsleitung an der Box. Nun kam Hektik auf! In fieberhafter Eile arbeiteten die Mechaniker um die Fahrzeuge wieder möglichst schnell flott zu bekommen.
Nach etwa 20 Minuten konnte der 1er das Rennen wieder aufnehmen, während der SP6 über eine Stunde an der Box verweilen musste.
Drei Runden erschien er jedoch wieder in der Box. Der Motor nahm kein Gas an. Der Stellmotor der Drosselklappenwelle musste, obwohl erst neu eingebaut, wieder getauscht werden. In der Folgezeit lief das Auto aber wie geschmiert. Bis auf eine Stop and Go-Strafe von einer Minute, wegen zu schnellen Fahrens in der Boxengasse, gab es keine außerplanmäßigen Stopps mehr und das Team bejubelte einen tollen dritten Platz.
Eine Runde nach dem SP6 erschien auch der 1er wieder. Die flexible Scheibe zwischen Kardanwelle und Getriebeflansch war gebrochen, vermutlich eine Spätfolge des Crash. Nach längerem Aufenthalt konnte das Rennen wieder aufgenommen werden. Allerdings nicht lange, da erschien er wieder an der Box. Der Anlasser hatte sich aufgelöst und die Kupplungsglocke zerschlagen. Nun waren alle Siegträume endgültig dahin. Der sich, durch starke Vibrationen ablösende Vorderwagen, der notdürftig fixiert wurde fließt nur noch in die Statistik ein, wie der Abflug gegen 02:30 Uhr, wo Christian Leutheuser eine Ölspur im Schwalbenschwanz zum Verhängnis wurde.
Diese Hiobsbotschaft war noch nicht verdaut, als der nächste Einschlag vermeldet wurde. Pascal Bour krachte im Streckenabschnitt Wehrseifen in die Reifenstapel.
Nach einer Notreparatur wurde das Auto wieder auf die Strecke geschickt und hielt bis zum Schluss mit arg lädierter Front durch und erkämpfte sich noch Platz 8.
Große Hektik kam nochmals um genau 15:26 Uhr auf, als Johannes Huber im SP5 ohne Vortrieb an die Box gerollt kam. Entsetzen machte sich auf den Gesichtern der Fahrer breit. Sollte dies nach 23 ½ Stunden Kampf das Ende sein? Die Lingmann-Mechaniker wuchsen trotz des schlimmen Stresses der vergangenen Stunden über sich selbst hinaus. Nach 17 Minuten rollte der BMW wieder mit neuer Kardanwelle aus der Box. Ein viel umjubelter 3. Platz war gerettet.
Überglücklich feierten die Fahrer die Mechaniker, Christian Leutheuser und ihren Team-Chef Herbert Lingmann, die als Felsen in der Brandung, das ganze Chaos unter Kontrolle hatten.
Ein versöhnliches Ende mit zwei dritten Plätzen und einmal Platz acht, quittierten die völlig erschöpften Teammitglieder mit großem Jubel und ließen ihren Teamchef hochleben.


